Minimalinvasive Behandlung

iTIND bei gutartiger Prostatavergrößerung in Esslingen

Wenn das Wasserlassen zunehmend schwerfällt, der Harnstrahl schwächer wird oder häufiger Harndrang den Alltag belastet, kann eine gutartige Vergrößerung der Prostata beziehungsweise ein benignes Prostatasyndrom (BPS) dahinterstecken. Reichen Medikamente nicht aus, werden sie nicht gut vertragen oder soll ein größerer operativer Eingriff möglichst vermieden werden, kommen je nach Befund minimalinvasive Behandlungsverfahren infrage.

iTind-Implantat aus Nitinol in der Hand

iTIND ist eine solche minimalinvasive Therapieoption für ausgewählte Patienten mit Beschwerden durch eine gutartige Prostatavergrößerung. Dabei wird ein kleines Implantat aus Nitinol-Draht, in der Form eines Körbchens, vorübergehend in der Prostata positioniert, um den eingeengten Bereich der Harnröhre zu erweitern und den Harnfluss zu verbessern. Nach etwa fünf bis sieben Tagen wird das Implantat vollständig wieder entfernt. 

Im Folgenden erfahren Sie, wie das iTIND-Verfahren funktioniert, für wen es geeignet sein kann und wie die Behandlung abläuft.

iTIND auf einen Blick

  • minimalinvasives Verfahren bei Beschwerden durch eine gutartige Prostatavergrößerung
  • temporäres Implantat aus Nitinol
  • Behandlung über die natürliche Harnröhre
  • Implantat verbleibt etwa fünf bis sieben Tage
  • anschließend vollständige Entfernung
  • kein permanentes Implantat im Körper
  • keine klassische Entfernung von Prostatagewebe

Was ist iTIND?

iTIND steht für „Temporary Implantable Nitinol Device“. Es handelt sich um ein kleines, selbstexpandierendes Implantat aus Nitinol, das vorübergehend in der prostatischen Harnröhre platziert wird.

Umgangssprachlich wird iTind teilweise als Prostata-Stent, „iTIND-Stent“ oder „Nitinol-Körbchen“ bezeichnet. Im Unterschied zu einem dauerhaft eingesetzten Stent verbleibt das Implantat jedoch nur wenige Tage im Körper.

Das Ziel der Behandlung ist nicht, große Mengen Prostatagewebe herauszuschneiden oder abzutragen. Stattdessen soll der eingeengte Bereich innerhalb der Prostata mechanisch erweitert beziehungsweise umgeformt werden, damit der Urin wieder leichter abfließen kann. 

Typische Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung können beispielsweise ein schwacher Harnstrahl, häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang, Nachträufeln oder das Gefühl einer unvollständig entleerten Blase sein. 

Vergleich der prostatischen Harnröhre vor und nach der iTind-Behandlung
Vergleich der prostatischen Harnröhre vor und nach der iTIND-Behandlung, Quelle: Olympus

Wie funktioniert das iTIND-Verfahren?

Das zusammengefaltete iTIND-Implantat wird über die Harnröhre eingeführt und unter endoskopischer Sicht im Bereich der Prostata positioniert.

Dort entfaltet es sich und übt an drei definierten Stellen kontrollierten Druck auf das umliegende Gewebe aus. Während der folgenden Tage wird das Gewebe dadurch lokal umgeformt. Dadurch entstehen kleine Längskanäle im behandelten Bereich, die den Harnweg erweitern und den Urinabfluss erleichtern sollen.

Nach etwa fünf bis sieben Tagen wird das Implantat wieder vollständig entfernt. Es bleibt kein dauerhaftes Implantat in der Prostata zurück. 

Die Animation zeigt anschaulich, wie das iTIND-Implantat eingesetzt, innerhalb der Prostata positioniert und wenige Tage später wieder entfernt wird. 

Zum Ansehen des Videos auf das Bild klicken:

iTind-Implantat aus Nitinol in der Hand
Das iTind™-Verfahren: YouTube Video von Olympus

Wie läuft die iTIND-Behandlung ab?

1. Untersuchung und Behandlungsplanung

Zunächst muss geklärt werden, ob die Beschwerden tatsächlich durch eine gutartige Prostataerkrankung verursacht werden und ob die anatomischen Voraussetzungen für iTIND geeignet sind.

Je nach Befund können beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung, Restharnmessung, Harnstrahlmessung oder eine Blasenspiegelung beziehungsweise urologische Endoskopie sinnvoll sein, um beispielsweise Veränderungen der Harnröhre, einen obstruktiven Mittellappen oder Blasensteine zu erkennen beziehungsweise auszuschließen.

2. Einsetzen des iTIND und Behandlungsphase

Das Implantat wird über die Harnröhre eingeführt und im Bereich der prostatischen Harnröhre positioniert. Ein äußerer Hautschnitt ist dafür nicht erforderlich.

Das iTIND bleibt anschließend etwa fünf bis sieben Tage eingesetzt. Während dieser Zeit sind die Patienten zu Hause und können unter Beachtung der körperlichen Schonung ihren Alltagsbeschäftigungen weitestgehend nachkommen.

Welche Form der Betäubung oder Sedierung im individuellen Fall verwendet wird, wird vor dem Eingriff ärztlich besprochen.

Einsetzen des iTind-Implantats in die Prostata
Einsetzen des iTIND-Implantats über die Harnröhre in die Prostata, Quelle: Olympus
Positionierung des iTind-Implantats in der prostatischen Harnröhre
Positionierung des iTIND-Implantats in der prostatischen Harnröhre, Quelle: Olympus

3. Entfernung und Erholung nach einer iTIND

Nach fünf bis sieben Tagen wird das Implantat bei einem weiteren Termin wieder entfernt.

Bei manchen Patienten verbessert sich der Harnstrahl bereits früh, bei anderen entwickelt sich der Behandlungseffekt über mehrere Wochen. Die maximale Symptomverbesserung kann sich erst im Verlauf der folgenden Wochen bis Monate zeigen.

Entfernung des iTind-Implantats nach der Behandlungsphase
Entfernung des iTIND-Implantats nach der Behandlungsphase, Quelle: Olympus

Für wen eignet sich iTIND?

iTIND kann für Männer mit Beschwerden durch eine gutartige Prostatavergrößerung infrage kommen, wenn die anatomischen und funktionellen Voraussetzungen passen.

Günstige Voraussetzungen sind insbesondere:

  • eine eher kleine bis mittelgroße Prostata; als Orientierung wird häufig ein Prostatavolumen von bis zu etwa 75 ml genannt,
  • kein ausgeprägt obstruktiver Mittellappen, der den Blasenausgang zusätzlich einengt,
  • eine ausreichend gute Funktion des Blasenmuskels, damit die Blase den Urin wirksam entleeren kann.

Das Verfahren kann besonders interessant sein, wenn Sie:

  • Medikamente nicht einnehmen möchten, nicht gut vertragen oder keine ausreichende Wirkung erzielen,
  • einen größeren operativen Eingriff möglichst vermeiden möchten,
  • kein permanentes Implantat wünschen,
  • für die der Erhalt von Samenerguss und Sexualfunktion bei der Therapiewahl eine wichtige Rolle spielt
  • eine möglichst kurze Erholungsphase anstreben.

Ob iTIND im individuellen Fall geeignet ist, lässt sich jedoch erst nach einer urologischen Untersuchung beurteilen. Neben der Prostatagröße spielen auch die Form der Prostata, die Funktion der Blase und die genaue Ursache der Beschwerden eine Rolle.

Wann kommt iTIND eher nicht infrage?

Gegen eine Behandlung mit iTIND können unter anderem sprechen:

  • ein ausgeprägt obstruktiver Mittellappen,
  • eine akute Harnwegsinfektion,
  • eine bekannte Nickelallergie,
  • bestimmte Veränderungen oder Verengungen der Harnröhre,
  • eine deutlich eingeschränkte Funktion des Blasenmuskels oder
  • andere Ursachen einer Harnabflussstörung.

Auch bei der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente ist eine individuelle ärztliche Beurteilung erforderlich. Medikamente sollten vor einem Eingriff niemals eigenständig abgesetzt oder verändert werden.

Welche Vorteile und möglichen Nebenwirkungen hat iTIND?

Mögliche Vorteile des iTIND-Verfahrens

Für geeignete Patienten bietet iTIND einige Besonderheiten gegenüber anderen Behandlungsformen:

  • kein dauerhaftes Implantat: Das Implantat wird nach wenigen Tagen vollständig entfernt.
  • Zugang über die Harnröhre: Ein äußerer Hautschnitt ist nicht erforderlich.
  • keine klassische Entfernung von Prostatagewebe: Das Gewebe wird mechanisch umgeformt, nicht herausgeschnitten.
  • keine thermische Gewebeabtragung: Das Verfahren arbeitet ohne Hitze.
  • häufig keine längerfristige Katheterisierung: In vielen Fällen ist nach dem Eingriff kein längerfristiger Blasenkatheter notwendig.
  • vergleichsweise kurze Erholungsphase

Auch ein minimalinvasives Verfahren ist jedoch nicht frei von möglichen Beschwerden und Risiken.

Welche Beschwerden können bei iTIND auftreten?

Während der Tage, in denen das Implantat eingesetzt ist, können vorübergehend auftreten:

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • verstärkter Harndrang
  • häufigeres Wasserlassen
  • Druck- oder Fremdkörpergefühl im Beckenbereich
  • geringe Blutbeimengungen im Urin
  • Reizung an der Harnröhrenöffnung

Diese Beschwerden sind meist vorübergehend und klingen häufig nach Entfernung des Implantats wieder ab.

Seltener können Begleiterscheinungen wie ein Harnwegsinfekt oder ein akuter Harnverhalt auftreten. Diese sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei Fieber, starken oder zunehmenden Schmerzen, stärkeren Blutungen oder wenn kein Wasserlassen mehr möglich ist, sollte zeitnah ärztlicher Kontakt aufgenommen werden. Bestehen zusätzlich Beschwerden wie ungewollter Urinverlust, starker Harndrang oder Nachtröpfeln, kann eine weiterführende Abklärung sinnvoll sein. Weitere Informationen finden Sie unter Inkontinenz beim Mann.

Wie wirkt sich iTIND auf die Sexualfunktion und den Samenerguss aus?

Für viele Patienten ist der mögliche Erhalt des Samenergusses, die Familienplanung und ein ungestörtes Ausleben der eigenen Sexualität ein wichtiger Punkt.

iTIND entfernt kein Prostatagewebe und arbeitet nicht mit Hitze. Die bisher verfügbaren klinischen Daten zeigen ein günstiges Profil hinsichtlich der Erektions- und Ejakulationsfunktion. 

Eine Garantie für einen bestimmten individuellen Verlauf lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Das persönliche Risiko und die jeweiligen Therapieziele sollten deshalb vor dem Eingriff besprochen werden.

Wann wirkt iTIND und wie lange hält die Wirkung an?

Eine Verbesserung muss nicht unmittelbar nach Entfernung des Implantats vollständig vorhanden sein.

Viele Patienten bemerken innerhalb der folgenden Wochen eine zunehmende Verbesserung beim Wasserlassen. Bei manchen Männern dauert es mehrere Wochen beziehungsweise Monate, bis sich der Behandlungseffekt vollständig entwickelt. Für die aktuelle iTIND-Generation liegen inzwischen veröffentlichte klinische Daten über mehrere Jahre vor. 

Wie lange die Wirkung beim einzelnen Patienten anhält, lässt sich jedoch nicht garantieren. Eine gutartige Prostatavergrößerung kann sich im Laufe des Lebens weiterentwickeln. Falls später erneut eine Behandlung notwendig werden sollte, schließt iTIND andere Therapieoptionen grundsätzlich nicht aus.

Was kostet iTIND und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kosten zur iTIND-Behandlung werden in der Regel von den privaten Krankenkassen komplett inkl. des Materials getragen.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen sind im EBM-Leistungskatalog die Kosten für die Behandlung (d.h. der Einlage und Entfernung des Prostata-Stents) hinterlegt und werden somit von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die Kostenübernahme der Materialkosten von rund 1900 € ist derzeit noch uneinheitlich. Oft werden diese übernommen. Dies kann aber zum aktuellen Stand nicht garantiert werden. Daher kann es sein, dass diese von dem Patienten gegebenenfalls selbst getragen werden müssen.

iTIND in Esslingen: persönliche Beratung in der Urologie Bergmann

Ob iTIND für Sie die richtige Behandlung ist, lässt sich nicht anhand der Prostatagröße oder einzelner Symptome allein entscheiden. In der Urologie Bergmann in Esslingen beraten wir Sie zu den möglichen Behandlungsoptionen bei Beschwerden durch eine gutartige Prostatavergrößerung und prüfen gemeinsam mit Ihnen, ob iTIND oder ein anderes Verfahren für Ihre Situation sinnvoll ist.

Bild von Jan Bergmann
Jan Bergmann

Jan Bergmann ist Facharzt für Urologie, der nach vielen Jahren als Oberarzt an der Klinik „Am Eichert“ in Göppingen Anfang 2023 die Praxis von Dr. Jürgen Kessel in Esslingen übernommen hat. Er setzt auf modernste Diagnostik (MRT-TRUS-Fusionsbiopsie, hochauflösender Ultraschall), innovative Therapien (Stoßwellentherapie, EMS-Beckenbodentraining) und digitale Praxisprozesse, um seinen Patientinnen und Patienten maximale persönliche Aufmerksamkeit und eine schonende, zielgerichtete Behandlung zu bieten.

FAQ zur iTIND

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das iTIND Verfahren zur Behandlung einer gutartigen Vergrößerung der Prostata.

Das Implantat bleibt in der Regel etwa fünf bis sieben Tage in der Prostata und wird danach vollständig entfernt.

Als „iTIND-Stent“ wird häufig das temporäre Nitinol-Implantat (oder auch Nitinol-Körbchen) bezeichnet, das während der Behandlung für etwa fünf bis sieben Tage in der prostatischen Harnröhre verbleibt. Anders als ein dauerhaft eingesetzter Stent wird iTIND anschließend wieder vollständig entfernt.

Viele Patienten benötigen keine längerfristige Katheterisierung. In bestimmten Situationen, etwa bei einem Harnverhalt, kann jedoch vorübergehend ein Katheter notwendig werden.

Das Schmerzempfinden ist individuell. Während das iTIND-Implantat eingesetzt ist, können vorübergehend Beschwerden wie Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, Druckgefühl im Dammbereich oder verstärkter Harndrang auftreten. Diese Beschwerden sind meist zeitlich begrenzt und klingen häufig nach Entfernung des Implantats wieder ab.

Um mögliche Beschwerden zu lindern, können bei Bedarf vorübergehend Medikamente eingesetzt werden. In unserer Praxis erhält jeder Patient ein individuell abgestimmtes, therapiebegleitendes Medikamentenkonzept für die Zeit rund um den Eingriff und die anschließende Erholungsphase mit nach Hause.

Nicht in jedem Fall. Welche Betäubungs- oder Sedierungsform sinnvoll ist, wird individuell festgelegt.

Die bisherigen klinischen Daten zeigen ein günstiges Profil hinsichtlich der Ejakulationsfunktion. Insbesondere jüngere und junggebliebene Männer mit Prostatabeschwerden können somit Ihre Sexualität und gegebenenfalls auch Ihre Familienplanung weiter ungehindert gestalten und leben. Eine Garantie für jeden Patienten kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden.

Eine erste Verbesserung kann früh auftreten. Bei vielen Patienten entwickelt sich der Effekt jedoch über mehrere Wochen weiter.

Ja, das ist einer der großen Vorteile des iTIND-Verfahrens. Sollten sich die Beschwerden oder die medizinischen Befunde im Laufe der Zeit verändern, stehen grundsätzlich weiterhin andere Behandlungsmöglichkeiten der Prostata zur Verfügung. Eine vorherige iTIND-Behandlung schließt spätere Therapieverfahren in der Regel nicht aus.

Auch eine Wiederholung der iTIND-Behandlung ist grundsätzlich möglich, beispielsweise wenn die Wirkung im Laufe der Zeit nachlassen sollte. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Befund ab.

Einen Überblick über weitere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten finden Sie unter Urologische Leistungen in Esslingen.

Wir machen Urlaub vom 10.08. bis 21.08.2026

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Praxis Dr. C. König, Plochinger Straße 115, 73730 Esslingen, Telefon: 0711 35 15 77 70
Ab 18:00 Uhr wenden Sie sich bitte an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116 117

Ab Montag, dem 24.08.2026, sind wir wieder zu den gewohnten Sprechzeiten für Sie da. Wir wünschen Ihnen eine schöne Sommerzeit und erholsame Tage! Bis bald! Ihr Team der Urologischen Facharztpraxis Jan Bergmann

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